Beim fetalen MRT

Weihnachten und Silvester waren überstanden. Ein paar Tage nach Neujahr hatte ich einen Termin für ein fetales MRT, bei dem nach der Ursache für die Entwicklungsverzögerung unseres Babys gesucht werden sollte. Ebenso würden die anderen Auffälligkeiten überprüft und abgeklärt werden. Bei meinem letzen Termin vor Weihnachten wurde mir ein Informationsblatt zum fetalen MRT ausgehändigt. Der Prozess dauere zwischen 35 und 45 Minuten, ich solle mich möglichst nicht bewegen und es würde eine spezielle Abfolge von lauten Geräuschen abgespielt werden, durch die das Baby vermutlich unruhig werden könnte. Das fetale MRT stelle jedoch für Mutter und Baby keinerlei Risiko dar. Einige meiner Familienmitglieder hatten bereits ein MRT hinter sich und sie meinten, es sei halb so wild. Zur Vorbereitung spielte mir mein Freund am Vortag auf YouTube die Geräuschpalette vor, die mich am nächsten Morgen erwarten würde. Auch wenn ich zuerst meinte, dass ich nun, nachdem ich wusste wie unangenehm und penetrant die Geräusche werden würden, noch mehr Angst davor habe, stellte es sich am nächsten Tag doch als hilfreich heraus, dass ich bereits darauf vorbereitet war...

 

Vor dem Termin, den ich schon um 6.45h in der Früh hatte, war ich übermäßig angespannt. Obwohl ich eigentlich nicht unter Platzangst leide, hatte ich überhaupt keine Lust darauf für 45 Minuten in eine enge Röhre geschoben zu werden, in der ich mich nicht bewegen durfte- mich und das Baby noch dazu den fast ohrenbetäubenden Geräuschen ausgesetzt.

 

Kurze Zeit später wurde ich aufgefordert, meine eigene Kleidung abzulegen und man überreichte mir ein weißes, sehr weites "Nachthemd". "Bitte möglichst nicht bewegen, auch nicht die Zehen", wies mich die Dame an, nachdem ich mich bereits hingelegt hatte. "Es wird mindestens 35 Minuten dauern, je nachdem wie stark sich das Baby bewegt. Es kann auch sein, dass wir Ihnen Atemanweisungen geben werden." Ich bekam noch ein polsterähnliches Gestell auf meinen Bauch, Kopfhörer aufgesetzt und wurde anschließend in die Röhre geschoben.

Anders als auf der Abbildung auf dem Informationsblatt, wo sich der Kopf der Patientin außerhalb der Röhre befand, wurde ich komplett mit dem Kopf in die Röhre geschoben. Mein Freund hatte mich zu meiner Unterstützung begleitet und konnte während des Prozederes neben der Röhre Platz nehmen.

 

In der Röhre war es recht hell und auch nicht sonderlich eng, man hatte weit mehr Platz als auf der Liege im Solarium. Außerdem konnte ich hinter mir minimal nach draußen sehen. Mit den lauten Geräuschen begann auch das Strampeln meines Babys im Bauch. In meiner ganzen Schwangerschaft hatte sich das Baby nicht so stark bewegt, wie in diesen 35 Minuten. Nicht nur deshalb, weil ich wusste mein Baby hat vor den lauten Geräuschen Angst, war das MRT für mich eine eher klaustrophobische Erfahrung. Mich überforderte nicht nur die ganze Situation, auch hatte ich große Angst vor dem Ergebnis.

 

Zu meiner Beruhigung war im Raum laut Radio eingeschaltet, das ich gut verstehen konnte und in den Geräuschpausen sprach mein Freund mir gut zu, wie tapfer ich sei und wie viel ich etappenweise nun bereits überstanden hatte. In den letzten Minuten wurden mir noch ein paar Atemanweisungen gegeben, dann wurde mir mitgeteilt, dass ich es nun überstanden hatte.

 

Bevor wir den Raum verließen, sprach die anwesende Ärztin noch kurz mit uns. Die Aufnahmen seien gut geglückt, sie möchte jedoch gerne noch genauer darüber sehen. In zwei Tagen werde uns der Befund zur Verfügung stehen.

 

"Ich wünsche Ihnen alles Gute", sagte sie und schüttelte uns die Hand. Ein paar Minuten später auf dem Gang waren mein Freund und ich uns einig, dass die Ärztin uns mit einem sehr mitleidigen Blick angesehen hatte.

 

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